Als wir vor Monaten einigen Bekannten im Taucherkreise von unserem Plan erzählten, zum Höhlentauchen in die Ardèche zu fahren, ernteten wir zunächst überwiegend erstaunte Blicke: "In die Ardèche ? Dort kann man doch Kajak fahren, aber Höhlentauchen ...?"Diese ganz und gar nicht untypische Reaktion ist umso verständlicher, wenn man die touristische Infrastruktur der Ardèche näher betrachtet: Es gibt dutzendweise Campingplätze - und ebenso dutzendweise Bootsverleiher, die ihre Aktivitäten ausschliesslich auf das Eine ausrichten: Touristen die "Hauptrennstrecke" von Vallon Pont D'Arc nach St. Martin d'Ardèche hinunterpaddeln zu lassen. Das klingt nun etwas profaner, als es tatsächlich ist: Dieser rund 32 km lange Abschnitt der Ardèche bietet eine atemberaubende Landschaftskulisse, die wirklich vom Wasser aus am ehesten "hautnah" erlebt werden kann.
Bis über 300 Meter hoch aufragende, teilweise überhängende Steilwände wechseln sich ab mit einsamen, weißen Kiesstränden, die üppige Vegetation harmoniert perfekt mit dem meist sehr klaren, smaragdgrünen Wasser der Flusses - eine echte Bilderbuchlandschaft eben… In zum Teil fast kreisrunden Windungen (Cirque de Madeleine) hat sich die Ardèche auf ihrem Weg zur Rhone über Jahrtausende hinweg tief in das Kalkfelsplateau gegraben - die "Gorges de l'Ardèche" sind das spektakuläre Ergebnis dieser Naturgewalten.
Neben begeisterten Wassersportlern, die in der Hochsaison wie (schwimmende, bunte) Ameisen den Fluß mit ihren Kayaks bevölkern, finden sich in der Region jedoch auch diejenigen ein, die ihrem Hobby eher im "Verborgenen" frönen: (Freizeit-)Höhlenforscher, die im Gebiet der Ardèche ein Gelände vorfinden, daß - wie die Franzosen sagen - einem Gruyère (die Deutschen würden "Schweizer Käse" sagen) gleicht. Noch immer werden jährlich zahlreiche neue Höhlen entdeckt und ausgedehnte Höhlensysteme weiter erforscht; der spektakuläre Fund des Amateur-Höhlenforschers Jean-Marie Chauvet und seiner zwei Begleiter in 1994 bei Vallon Pont D'Arc, der Höhlenzeichnungen zutage brachte, die auf mind. 30.000 Jahre - und damit weitaus älter als die Funde von Altamira und Lascaux - geschätzt werden, zeigt, wieviele Geheimnisse hier noch unentdeckt unter der Erde schlummern und schließt in seiner Faszination an die Tage an, als Pioniere der Höhlenforschung in Frankreich wie Martel bereits zu Ende des 19. Jahunderts und später Joly Schlagzeilen machten, wie z.B. mit der Entdeckung des Aven d'Orgnac (südlich der Gorges de l'Ardèche) - ein Höhlensystem, das heute zu den schönsten der Welt gezählt wird.

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Erstveröffentlichung: 13.07.2000
Letzte Aktualisierung: 08.02.2003
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