Beara ist die südlichste der drei großen Halbinseln Südwestirlands, die noch unberührteste und damit vielleicht sogar die schönste. Aufgrund der relativ großen Fahrdistanz ist es sinnvoll, sich 2 Tage für einen Ausflug dorthin vorzumerken. Sofern es sich nicht um einen besonderen Feiertag handelt, kann man in der Regel ruhig "ins Blaue" drauflosfahren - ein nettes B&B findet sich immer, auf jeden Fall in der Gegend der zwei größeren Ortschaften Castletown Bearhaven und Glengarriff.
Den ersten Überblick über Beara erhält man, wenn man sich über die Paßstraße durch die Barraboy Mountains nähert: Auf der einen Seite die karge, einsame Berglandschaft, und auf der anderen Seite der Blick hinunter in die Bantry Bay mit ihrem üppigen, fast tropischen Bewuchs. Im Hauptort Glengarriff befindet sich dann auch einer der schönsten Italienischen Gärten Irlands. Hier - verwöhnt vom milden Klima des Golfstroms - blüht und gedeiht auf einer kleinen vorgelagerten Insel ein subtropischer Pflanzendschungel, wie man ihn niemals mitten im Nordatlantik vermuten würde. Die Ausflugsboote, die die Insel ansteueren, legen in einer verwunschenen blautürkisen Lagune ab; während der nur wenige Minuten dauernden Fahrt kann man Seehunde beobachten, die auf den vorgelagerten Riffen leben. Begeisterte Botaniker werden sicherlich mehrere Stunden benötigen, um die Insel zu erkunden, aber auch für den naturbegeisterten "Laien" vergehen beim Spazierengehen durch die üppigen Gärten ein bis zwei Stunden wie im Flug.
Von hier aus führt uns der Ring of Beara über den Healy Paß, den höchsten Bergpaß der drei Halbinseln. Mühsam windet sich die Straße den steilen Berghang hinauf, überall plätschern kleine Bäche und Wasserfälle (nach kräftigem Regen auch schonmal über die Straße hinweg). Oft sind die Bergkämme wolkenverhangen und es fällt ein leichter Nieselregen, aber dies unterstreicht umso mehr die rauhe Natur dieses eindrucksvollen Landschaftsbildes. Hier oben ist man allein mit sich und der Welt - abgesehen von unzähligen Schafen, die auch die Straße als ihr Revier in Anspruch nehmen.
Auf der anderen Seite des Passes öffnen sich bald die Wolken und geben den Blick frei auf den Glanmore Lake und den ins offene Meer führenden Kenmore River, der in der Sonne glitzert. Jetzt folgt man einfach nur noch der R571 in Richtung Westen: die kleine Straße ist kaum befahren, so daß man getrost anhalten kann, um die fantastischen und überraschenden Ausblicke zu genießen die sich hinter jeder neuen Kurve bieten. Kleine, verlandete Felsenbuchten, in denen die Wracks alter Fischerboote ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, steil aufragende, graue Felswände, Schafe, die auf saftig grünen Wiesen zwischen einer Kirchenruine grasen, einsame Hafenmolen, an denen der ewige Atlantik nagt, kleine, unverdorbene Fischerdörfer, wo die Häuser - wie von Kinderhand - in allen Regenbogenfarben gestrichen sind, Seen, die wie dunkle Tränen in die felsig-grüne Landschaft eingebettet liegen - hier scheint die Zeit stehenzubleiben, so daß man ewig verweilen möchte.

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© copyright 1998 - Sandra und Andreas Haars
Erstveröffentlichung: 22.10.1998
Letzte Aktualisierung: 08.02.2003
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